Jeder geht mit der Zeit.
Früher oder später.
Was ist das überhaupt für ein Satz?
Nur eine Feststellung?
Eine versteckte Aufforderung?
Oder gar eine Drohung?
Grundsätzlich ist diese Aussage ja richtig und absolut notwendig. Wir müssen uns verändern, um zu überleben. Veränderung ist die einzig verlässliche Konstante in unserem Leben. Ok.
Aber was, wenn die Zeit schneller geht, als wir gehen können?
Wir leben in einer Zeit, in der sich eine Schere zu öffnen beginnt: die Schere zwischen dem Tempo neuer Anforderungen und dem Tempo, das wir Menschen gesund gehen können.
Paradox – oder vielleicht auch gerade nicht – ist, dass zeitgleich auch das Tempo der Entschleunigungsbewegung enorm zugenommen hat .😉
Biologische Grundgesetze folgen ihrem eigenen Tempo. So schnell wie diese biologischen Prozesse eben ablaufen. Erholung. Heilung. Schlaf. Hormone.
Vielleicht ist es ja auch da das Tempo in einigen Generationen anders, aber auch die Evolution kann nur so schnell wie sie kann.
Täglich werden wir mit schlechten Nachrichten überhäuft – Kriege, Krisen, Klimakatastrophen, wirtschaftliche Unsicherheiten.
Kaum haben wir eine Meldung erfasst, folgt bereits die Nächste.
Es bleibt keine Zeit zum Innehalten oder Atemholen. Dazu diese Idee der permanenten Erreichbarkeit, steigende berufliche Anforderungen und der Vergleichsdruck durch soziale Medien.
Unser Gehirn und unsere Körper halten wirklich viel aus.
Oft mehr, als wir selbst glauben.
Aber eben nicht alles.
Wir brauchen Rückzugsorte und -zeiten!
Orte, an denen wir für kurze oder auch längere Momente den Informationen und äußeren Reizen entfliehen können.
Und diese Orte müssen wir selbst schaffen.
Es schafft sie niemand sonst für uns.
Wofür ist ein Biwak in den Bergen oder eine Schutzhütte im Wald?
Sie bieten vorübergehenden Schutz vor Wetter, Kälte oder der Nacht.
Das hat der Mensch sehr früh verstanden.
Jetzt brauchen wir den Transfer auch für unseren Kopf:
Wir brauchen Räume und Möglichkeiten,
wo wir nicht ständig allen Reizen ausgesetzt sind,
wo wir nicht ständig glauben reagieren zu müssen.
Räume in denen wir wieder in unserem eigenen Tempo leben können.