Geschenk mit Schleife als Symbol für Vertrauen, Wertschätzung und die Freude am Schenken.

Das Gegenteil von Vertrauen

Eine Geschichte, die mich sehr berührte: Über Vertrauen, Geschenke und Lernen fürs Leben ...

Das Gegenteil von Vertrauen

Eine Geschichte, die mich sehr berührte: Über Vertrauen, Geschenke und Lernen fürs Leben ...

Letzte Woche auf einer langen Autofahrt reisten meine Gedanken in die Vergangenheit. Ich erinnerte mich an eine Radiosendung, die mich vor ziemlich genau zwei Jahren ziemlich irritierte.

In der Anmoderation ging es vordergründig um kleine oft kreative Geschenke, die Kinder ihren Eltern zu Weihnachten machen würden. Aber eigentlich ging es um Vertrauen. Der Moderator berichtete von einer Hörerin, die ihm geschrieben hatte und vom Geschenk ihres 8-jährigen Sohnes erzählte. Sie habe von ihm einen Gutschein geschenkt bekommen, bei dem sie eintragen durfte, was sie sich von ihm wünsche. Er würde ihr jeden Wunsch erfüllen.

An der Stelle kam mir der Gedanke, dass dieser 8-jährige schon etwas ganz Wichtiges beim Schenken verstanden hatte, nämlich, dass es dabei um den Beschenkten geht und nicht um jene Person die verschenkt. Eben um die Freude, die ein Geschenk bereitet. Soweit für mich noch alles passend.

Lernen fürs Leben

Allerdings war die Nachricht der Mutter an den Moderator hier noch nicht zu Ende. Sie schrieb weiter, dass dies eine wunderbare Gelegenheit wäre, dem jungen Mann etwas Wichtiges für sein Leben beizubringen.

Ich erinnere mich gut, dass ab dem Moment trotz Autofahrens meine komplette Aufmerksamkeit dem Radiobeitrag galt. Die Mutter hielte es für geboten ihrem Jungen klarzumachen, dass man im Leben nie Blanko-Schecks ausstellen sollte. Und damit er diese Lektion auch wirklich lernen würde, wollte sie etwas für ihn Unangenehmes auf ihren Geschenkgutschein eintragen. Der Moderator bemerkte amüsiert, dass sie es ja jetzt ausnützen könne, um im nächsten Jahr von Ihrem Sohn das zu bekommen was sie haben wolle.

Vertrauen in sich und andere

Ich dachte den Rest der Fahrt über das nach, was ich gerade gehört hatte. Eine wunderschöne Idee des Sohnes wurde – möglicherweise – in guter Absicht von der Mutter in eine bittere Lehrstunde „umfunktioniert“.

Was hat das Kind vermutlich dabei gelernt? Ganz genau kann man das natürlich nicht sagen, aber denkbar wäre entweder: „Misstrauen ist das Gegenteil von Vertrauen und man sollte besser nicht seinem Herzen folgen, weil Menschen egoistisch sind und dich ausnutzen könnten“ oder eine Variante davon: „Meine Idee vom Schenken ist gefährlich, so vertrauensvoll darf ich mich nicht verhalten“.

Beides aus meiner Sicht keine wünschenswerten Auswirkungen für das Kind… Gut gemeint ist halt nicht immer gut gemacht.

Vertrauen in sich und andere Menschen ist für mich eine wichtige Grundlage für unser Zusammenleben! Ich rede nicht von Naivität – ich rede von Vertrauen, das in kleinen Schritten langsam aufgebaut werden muss…

Ihr Thomas Ritthaler

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