Bergauf, bergab – und plötzlich weg
Vor einiger Zeit war ich mit meinen beiden Neffen in der Pfalz mit dem Mountainbike unterwegs. Während einer anstrengenden Auffahrt verstaute ich meine Sonnenbrille in der Seitentasche meines Rucksacks, weil sie durch den Schweiß beschlug. Eine Sonnenbrille im Wald bei dem niedrigen Tempo bergauf macht schließlich wenig Sinn.
Abwärts genossen wir die unzähligen abwechslungsreichen Trails. Das Gelände forderte – zumindest von mir – alle Aufmerksamkeit. Enge Passagen wechselten mit Geländestufen, auch die Bikes waren gefordert. Nach einer dieser Bergab-Passagen stoppten wir – alle drei mit breitem Grinsen im Gesicht. Bis ich wieder an meine Sonnenbrille dachte und mit der Hand die Seitentasche überprüfte. Sie war nicht mehr da. So wie mein Grinsen.
Die Brille war ein gutes, nicht ganz billiges Modell, das erst kurz zuvor von einem Optiker wieder perfekt repariert worden war. Und jetzt?
Die vergebliche Suche
Wir wollten sie suchen. Nach kurzem Überlegen wurde uns klar, dass ich sie nur durch einen Schlag an einer der unzähligen Geländestufen bergab verloren haben konnte. Viele dieser Passagen waren allerdings bergauf gar nicht zu befahren – also außen herum wieder alle Höhenmeter rauf und mit wachsamen drei Augenpaaren noch einmal die gesamte Abfahrt hinunter. Nichts.
Ich kannte das Gelände und schlug meinen meist schnell abfahrenden Neffen vor, nach etwa einem halben Kilometer an einigen schönen Sonnenplatten zu halten. Sie los, ich hinterher.
Eine lange Weile später standen wir wieder unten an der gleichen Stelle, ohne die Brille. Zähneknirschend beschlossen wir, den Verlust zu akzeptieren und an einen schönen Platz für eine Brotzeit zu fahren. Ich kannte das Gelände und schlug meinen meist schneller abfahrenden Neffen vor, dass sie doch nach etwa einem halben Kilometer an einer schönen Sonnenplatten halten sollen. Sie los, ich hinterher.
Das unerwartete Wiedersehen
Wenig überraschend schossen sie, die Abfahrt in vollen Zügen genießend, weit an der schönen Stelle vorbei und hielten erst viel weiter unten an einer Bank an.
„Vermisst ihr zufällig eine Sonnenbrille?“ fragte das auf der Bank sitzende Ehepaar. Sie hatten die Brille kurz zuvor gefunden und auf einen kleinen Baum gesteckt. Offenbar waren wir bei unserer Suche so sehr mit der Strecke beschäftigt, dass wir an der Brille auf dem Bäumchen vorbei gefahren waren. Nach abermaliger Auffahrt wurden wir fündig.
Zufall oder Schicksal, dass meine Neffen entgegen meinem Vorschlag an dem schönen Platz vorbeifuhren und wir nur so das Ehepaar treffen konnten? Entscheiden Sie selbst.
Ich jedenfalls freute mich sehr und war dankbar, meine gute Fahrradbrille wieder zu haben.
Ihr Thomas Ritthaler