Ja oder Nein ist zu wenig

Vor nicht allzu langer Zeit hat eine bekannte deutsche Bank mit dem Slogan „Erfolg ist die Summe richtiger Entscheidungen“ geworben. Mal ganz abgesehen von der Frage, ob es schlau ist in dieser Branche mit einem solchen Satz zu werben, so macht er doch beim genauen Hinsehen eine wichtige zeitliche Abhängigkeit deutlich: Wenn ich zuerst richtige Entscheidungen treffe, habe ich danach Erfolg. So betrachtet ist der Satz trivial. Darüber wie ich zu den Entscheidungen komme, die sich – wohlbemerkt im Nachhinein – als richtig, weil erfolgreich erweisen, sagt mir der Satz natürlich nichts.

Genau genommen reiht sich in unserem Leben Entscheidung an Entscheidung. Es sind da die unendlich vielen kleinen und wenig bedeutenden alltäglichen Entscheidungen. Was soll ich anziehen? Was möchte ich essen? etc. Aber es gibt auch die anderen Entscheidungen, bei denen wir weitreichende Konsequenzen erwarten und den Folgen große Bedeutung beimessen. Wie komme ich da zu einer für mich stimmigen Entscheidung?

Entscheidungen bestimmen unser Leben

Es soll hier jetzt nicht der Eindruck erweckt werden, dass gleich ein allgemein gültiges Rezept für jedwede Entscheidungen folgt. Mir ist nur in letzter Zeit bei meiner Arbeit immer wieder aufgefallen, dass Menschen in Entscheidungssituationen dazu neigen ihre Situation zu vereinfachen. Genauer gesagt reduzieren sie oft ihre Handlungsoptionen in einer solchen Situation zu stark. Grundsätzlich ist überhaupt nichts gegen die Reduktion von Komplexität zu sagen, allerdings ist die Welt selten einfach und die Situationen in denen Menschen stecken sind immer komplex.

Wie meine ich das? Stellen Sie sich folgende kleine Situation vor, die bitte exemplarisch zu verstehen ist: Sie werden nach einem guten Hauptgang vom Gastgeber gefragt (ja, die Zeiten kommen wieder – aktuelle Anmerkung des Autors), ob sie als Dessert lieber Käse oder eine Süßspeise möchten? Spontan überlegen wir uns, ob wir mehr Lust auf herzhaft oder eher süß haben. Übertragen auf eine für uns wirklich bedeutende Entscheidung, bedeutet dies oft, dass wir dann nur zwei Optionen sehen: Käse oder Süßspeise. Das meine ich mit zu starker Vereinfachung.

Wir haben Mehr Optionen: Ja oder Nein ist Zuwenig

Bei dieser und in allen vergleichbaren Situationen sollten wir nicht den Fehler machen zu glauben, dass wir nach den Regeln der klassischen Aussagenlogik handeln müssten und nur ein ausschließliches „wahr“ oder „falsch“ zur Verfügung hätten.

Vielmehr handelt sich um eine Situation die sehr gut mit der ursprünglich aus der indischen Logik stammenden Figur des Tetralemmas umschrieben werden kann. Diese eröffnet uns insgesamt fünf Optionen. Die sind in unserem Beispiel: (1) Ich mag Käse (2) Ich mag eine Süßspeise (3) Ich mag Käse und eine Süßspeise (4) Ich mag weder Käse noch eine Süßspeise und genaugenommen zusätzlich noch (5) Ich mag einen Schnaps.

Wenn Sie also das nächste Mal vor einer für Sie wichtigen Entscheidung stehen, denken Sie daran: Es gibt in den allermeisten Fällen meist mehr als nur Käse oder Süßspeise, Ja oder Nein.

Ihr Thomas Ritthaler