Das Gegenteil von Vertrauen

Während einer Autofahrt durch Süddeutschland am zweiten Weihnachtsfeiertag verfolgte ich zunehmend irritiert eine Radiosendung. In der Anmoderation ging es darum, dass Kinder ihren Eltern zu Weihnachten oft sehr schöne kleine kreative Geschenke machen würden. Der Moderator berichtete von einer Hörerin, die ihm geschrieben hatte und vom Geschenk ihres 8-jährigen Sohnes erzählte. Sie habe von ihm einen Gutschein geschenkt bekommen, bei dem sie eintragen darf, was sie sich von ihm wünsche. Er würde ihr jeden Wunsch erfüllen.

An der Stelle kam mir der Gedanke, dass dieser 8-jährige schon etwas ganz Wichtiges beim Schenken verstanden hatte, nämlich, dass es dabei um den Beschenkten geht und nicht um jene Person die verschenkt. Eben um die Freude, die ein Geschenk bereitet. Soweit für mich noch alles passend.

Das Gegenteil von Vertrauen...

Allerdings war die Nachricht der Mutter an den Moderator hier noch nicht zu Ende. Sie schrieb weiter, dass dies eine wunderbare Gelegenheit wäre, dem jungen Mann etwas Wichtiges für sein Leben beizubringen.

Ab jetzt gehörte trotz Autofahrt meine komplette Aufmerksamkeit dem Radiobeitrag. Die Mutter hielte es für geboten ihrem Jungen klarzumachen, dass man im Leben nie Blanko-Schecks ausstellen sollte. Und damit er diese Lektion auch wirklich lernen würde, wollte sie etwas für ihn Unangenehmes auf ihren Geschenkgutschein eintragen. Der Moderator bemerkte amüsiert, dass sie es ja jetzt ausnützen könne, um im nächsten Jahr von Ihrem Sohn das zu bekommen was sie haben wolle.

Lernen für`s Leben

Ich dachte den Rest der Fahrt über das nach, was ich gerade gehört hatte. Eine wunderschöne Idee des Sohnes wurde vermutlich in guter Absicht von der Mutter in eine Lehrstunde „umfunktioniert“.

Was hat das Kind dabei gelernt? So ganz genau kann man das natürlich nicht sagen, aber möglicherweise Folgendes: Misstrauen ist das Gegenteil von Vertrauen. „Folge besser nicht deinem Herzen, weil Menschen egoistisch sind und dich ausnutzen könnten“ oder auch Meine Idee vom Schenken ist gefährlich, so vertrauensvoll darf ich mich nicht verhalten

Ist aber nicht gerade das Vertrauen in sich und andere eine wichtige Grundlage für unser Zusammenleben?

Ihr Thomas Ritthaler